Ein Zeichen setzen - und meine heutige Heldin

Wie kann es sein, dass in einer globalisierten Welt, im 21. Jahrhundert, mehr Menschen auf der Flucht sind wie nie zuvor? Wie kann es sein, dass in einer Welt, in der wir um den Globus jetten, Menschen auf Plastikbooten ins Meer der Ungewissheit flüchten müssen? 

Ich kann es mir nicht erklären.

Heute, 10. Dezember 2016, ist Internationaler Menschenrechtstag. Aus diesem Anlass organisierte die UNICEF in verschiedenen Schweizer Städten eine Menschenkette-Aktion, um ein Zeichen für die Rechte der Flüchtlingskinder zu setzen. Denn in erster Linie sind sie nicht Flüchtlinge, sondern Kinder. Kinder mit Recht auf Schutz, Recht auf Bildung, Recht auf gleiche Behandlung unabhängig von Geschlecht, Religion und Hautfarbe. Und ganz ehrlich, wo bleiben die Rechte? Es gibt Kinder auf der Flucht, die komplett schutzlos sind und denen der Zugang zu Bildung verweigert wird. Aber wie sollen Sie jemals von diesen Rechten wissen ohne gebildet zu werden? 

Mit meiner Freundin Cat nahm ich an der Aktion teil. Mit den Menschen vor Ort bildeten wir eine Kette über die Brücke beim Helmhaus.

 Cat und ich nach der Menschenketten-Aktion in Zürich, 10. Dez 2016.

Cat und ich nach der Menschenketten-Aktion in Zürich, 10. Dez 2016.

«Wieso bist du hier?», fragte eine UNICEF-Mitarbeiterin ein kleines Mädchen. Sie antwortete: «Weil ich den Flüchtlingskindern zeigen will, dass wir sie nicht vergessen haben.» 

Als die Aktion zu Ende war, kamen Cat und ich ins Gespräch mit zwei älteren Frauen. Die Braunhaarige meinte: «Diese zwei jungen Damen wären doch geeignet, um in einem Flüchtlingslager oder in Lesbos zu helfen!». Ihre Freundin, schneeweisses Haar, mit einem Strahlen in ihren Augen wie wir es nur von Kinderaugen kennen, erzählte dann, wie sie in Lesbos am Meer auf die ankommenden Boote wartete und die Kinder gleich warm einpackte. Sie sei 70 Jahre alt, für manche Hilfsorganisationen zu alt, weil sie ja selbst zum Pflegefall werden könnte. Klar, schwer tragen könne sie nicht, aber deshalb habe sie sich auch als Köchin angemeldet. Und Kindern warme Socken anziehen, das könne sie auch noch.

Wenn ich ihr ins Gesicht geschaut habe, habe ich das Kind selbst in ihr gesehen. Für mich ist diese Frau alles andere als eine 70-jährige Greisin. Sie ist eine Heldin, die den Geist der Jugend beibehalten hat und ihre Kraft einsetzt, um zu helfen. «Junge wie euch braucht es dort», sagte sie mit einem Lächeln.

Mit der Teilnahme an der Aktion wollten wir ein Zeichen setzen. Uns wieder bewusst machen, was auf der Welt geschieht. Mit den eigenen Händen den Kindern auf der Flucht zu helfen wäre der nächste Schritt. 

P.S. Für jene, die sich für einen Einsatz als Volunteer in einem Flüchtlingslager oder in Lesbos bei der Ankunft der Boote interessieren, dann haben diese Frauen die private Organisation Schwizerchrüz empfohlen: https://swisscrosshelp.herokuapp.com/pages/home/.